Kleingedrucktes

Verbraucherrecherche · Kündigungsdienste

SMARTKÜNDIGEN.DE
AUF DEM PRÜFSTAND

Autorin: Cora Klein

Smartkündigen.de gehört zu den ersten Treffern, wenn man bei Google „Fitnessstudio kündigen" oder „Parship Vertrag beenden" eingibt. Für 24,90 Euro pauschal soll die Plattform den Papierkram übernehmen. Seit Februar 2026 sammle ich Zuschriften zu diesem Dienst, aktuell liegen 43 Fälle vor. In 29 davon berichten die Absender von einem zweiten Vertrag, den sie nach dem Kündigungsauftrag telefonisch abgeschlossen haben sollen. Ich habe die Servicehotline von Smartkündigen selbst angerufen und mir die Firmenstruktur im Handelsregister angesehen.

Der Rückruf, der die Richtung wechselt

Testbericht

Der Rückruf, der die Richtung wechselt

Nach dem Absenden des Kündigungsauftrags dauerte es bei mir 41 Minuten bis zum ersten Anruf. Eine freundliche Mitarbeiterin bestätigte die Vertragsdaten, wollte dann aber wissen, wie ich mich in Zukunft gegen „ähnliche Fallen" absichern wolle. Nach vier Minuten war die eigentliche Kündigung durch, das Gespräch lief weiter.

Angeboten wurde mir ein „Rechtsschutz-Paket" zu 12,90 Euro im Monat, angeblich mit vierwöchiger Testphase. Auf meine Nachfrage nach der Laufzeit kam die Antwort erst nach der dritten Wiederholung: 24 Monate, monatlich abgebucht. Vier der Leserzuschriften beschreiben exakt denselben Ablauf, drei davon mit der gleichen Formulierung „Absicherung gegen unseriöse Anbieter".

Was in der Bestätigungsmail wirklich steht

Vertragsunterlagen

Was in der Bestätigungsmail wirklich steht

Von acht Betroffenen habe ich die vollständigen Unterlagen bekommen. In sechs Fällen taucht in der Bestätigungsmail eine Laufzeit auf, die am Telefon nie genannt wurde. Die Widerrufsbelehrung liegt als PDF im Anhang, nicht im Fließtext der Mail. Wer nur die Betreffzeile liest, hält das Ganze für eine harmlose Terminbestätigung zur Kündigung.

Ein Leser aus Hannover hat den Anruf mitgeschnitten. Auf dem Band ist die Zusage einer „kostenlosen Prüfung" zu hören. In seiner Vertragsbestätigung ein paar Stunden später stand ein Jahresvertrag über 179 Euro. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat den Fall inzwischen übernommen.

Wenn die Hotline plötzlich niemanden mehr hat

Kundenservice

Wenn die Hotline plötzlich niemanden mehr hat

Für die Rückerstattung habe ich viermal bei Smartkündigen angerufen. Der erste Anruf endete nach 26 Minuten Warteschleife mit einer automatischen Trennung. Beim zweiten meldete sich der Vertrieb, der mir wieder ein Angebot machen wollte, statt meine Anfrage weiterzuleiten. Die dritte Nummer im Impressum führte auf eine Bandansage.

Meine E-Mail an service@smartkuendigen.de blieb 22 Tage unbeantwortet. Erst nach einem Einschreiben mit Fristsetzung kam eine Antwort, in der die Firma auf ihre AGB verwies. Von den 43 Betroffenen haben 17 ähnliche Wartezeiten dokumentiert, meist zwischen zwei und fünf Wochen bis zur ersten Reaktion.

Firmengeflecht

Vier Marken, ein Adressbuch: Smartkündigen, Simplyright, Abo-Hilfe, Inkassohilfe

Die Impressen der vier Plattformen führen auf dieselben Postanschriften in Berlin und Zürich. Im Handelsregister tauchen drei Geschäftsführer auf, die in unterschiedlichen Rollen bei allen vier Unternehmen eingetragen sind. Es handelt sich um Brüder; ihr Nachname liegt der Redaktion vor. Die Recherche zu den Personen läuft und erscheint gesondert.

Jede der Marken zielt auf einen anderen Suchbegriff. Wer „Abo kündigen" tippt, landet bei Smartkündigen. Wer „Inkasso Widerspruch" sucht, sieht Inkassohilfe. Der telefonische Vertrieb sitzt im selben Callcenter in Halle (Saale). Das haben mir zwei ehemalige Mitarbeiter unabhängig voneinander bestätigt.

Aus dieser Konstruktion ergibt sich ein einfaches Muster: Egal, über welche der vier Seiten die Kunden hereinkommen, verkauft wird das gleiche Bündel an Zusatzprodukten. Für die drei Brüder rechnet sich das Modell offenbar. Für die Kundschaft entsteht der Eindruck, mehrere unabhängige Anbieter zur Auswahl zu haben.

Wie ich nach dieser Recherche mit Kündigungsdiensten umgehe

Die technische Kündigung, für die man Smartkündigen bezahlt, klappt in den meisten Fällen. Das eigentliche Problem beginnt danach am Telefon. Wer die 24,90 Euro trotzdem investieren will, sollte den Rückruf entweder ignorieren oder direkt nach der Kündigungsbestätigung fragen und dann auflegen. Alles, was danach kommt, ist Vertrieb.

Seit dem Gesetz für faire Verbraucherverträge reicht bei fast jedem Vertrag eine formlose Mail oder der Kündigungsbutton auf der Anbieterseite. Beides kostet nichts, dauert selten länger als fünf Minuten und lockt keinen Rückruf aus einem Callcenter hervor. Für Kündigungen von Fitnessstudios, Streamingdiensten oder Partnerbörsen ist das in aller Regel die schnellere Lösung.

Wer schon in einem Vertrag aus dem Simplyright-Netzwerk feststeckt, sollte innerhalb der 14-tägigen Widerrufsfrist per Einschreiben widerrufen und die Verbraucherzentrale im eigenen Bundesland einschalten. Die Zentralen kennen den Fall inzwischen; in Nordrhein-Westfalen und Bayern laufen Sammelverfahren gegen mehrere der beteiligten Firmen.

Cora Klein, Verbraucherjournalistin

Über die Autorin

Cora Klein, Verbraucher­journalistin

Cora Klein, 34, arbeitet aus Köln und schreibt seit sieben Jahren über den grauen Markt der Kündigungs- und Inkassodienste. Vor der Selbstständigkeit war sie Redakteurin bei einer regionalen Tageszeitung. Ihre Recherchen erscheinen unabhängig und werden nicht durch Werbeanzeigen finanziert.